Imperial Irrigation | 20:05 min | 2020

Über das Surreale, digital Verfremdete einen Zugang zu den tieferen Schichten und Wahrheiten eines Landstrichs finden. So nimmt sich die Programmatik hinter Lukas Marxts Imperial Irrigation aus – wobei der digitale Surrealismus in einem experimentellen Dokumentarismus ankert, während Text- und Soundebene die Mehrschichtigkeit des Gesehenen verkomplizieren und so das Narrativ fortwährend dezentrieren. Ausgangspunkt dieser vielschichtig vibrierenden Territorialstudie ist der kalifornische Saltonsee, in dessen Nähe schon Marxts Imperial Valley (cultivated run-off) führte. Die visuelle Annäherung an den langsam austrocknenden See, der eine höchst wechselvolle Geschichte hinter sich hat, erfolgt über unterschiedliche Arten von Bildern – wobei den meisten davon kunstvoll gesetzte, störrische Verfremdungsmomente eingepflanzt sind. Als könne der Unfassbarkeit der sich darbietenden Szenerie nicht einfach mit veristischen Mitteln begegnet werden, sind die Aufnahmen digital zerhackt, von Zeitschnitten zerdehnt und von undefinierbaren „MacGuffins“ durchdrungen – oder zittern erratisch aufgrund der Luftspiegelungen, wenn aus großer Distanz gefilmt wurde. Lukas Marxt nimmt sich in der quasi-kolonialen Begehung der Landschaft nicht aus, und so intervenieren wiederholt seine Cowboystiefel, sein Snakeskin-Hut, sein Verweilen an Spielautomaten oder im Auto als eigensinnige Präsenzen in den Bilderlauf. Ein die Geschichte des Saltonsees anhand vielfältiger diskursiver Ankermomente rekapitulierender Text von William L. Fox wird von der Künstlerin Julia Scher mit Nachdruck eingesprochen. Während subtil eingeflochtene Soundelemente, und hier vor allem insistierende Passagen des Musikers Jung An Tagen, den „Irr-Sinn“ des Gesehenen noch einmal anders-medial überbieten. Solcherart entsteht das irritierende Porträt eines Stücks Anthropozän, dessen anhaltende Katastrophik der Film kongenial auf den Punkt bringt. (Christian Höller)

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